Orchester unter Robert Flache

Musikalische Leitung von 1933 bis 1977

In idealistischer Arbeit verstand es Robert Flache als verantwortlicher Leiter, das Niveau zu heben, und so fanden bereits in den dreißiger Jahren die ersten großen Konzerte in Erfurt im damaligen Reichshallentheater und im Stadthaussaal statt.

Die Konzerte wurden vom Orchester und den Schülern der Harmonika-Schule Flache gestaltet, die zuerst in der Bergstraße und ab 1936 dann in der Heinrichstraße 4 ihr Domizil hatte. So schreibt eine Erfurter Zeitung über ein Werbekonzert des ersten Erfurter-Harmonikaklubs am Sonntag den 7. November 1937 im ausverkauften Reichshallentheater: "Unter der Leitung von Robert Flache gab es eine sehr ausgedehnte Vortragsfolge mit schätzungsweise 80 bis 100 Spielern als Chor, Jugendchor und Doppelquartett, von Herrn Flache umsichtig und straff geführt.

Aus den Leistungen hob sich das Spiel der Handharmonika-Solistin Edith Flache heraus, die außerordentliches Können zeigte."


Robert Flache wurde am 12. Februar 1897 in Erfurt geboren. Er eignete sich als junger Mann das Musizieren auf der Geige und Gitarre selbst an. Zum Akkordeonspielen kam er durch das Geschenk eines Akkordeons, für das er sich ein eigenes Lernsystem schaffte. Bereits Mitte der 20er Jahre war Robert Flache mit noch nicht einmal 30 Jahren als musikalischer Leiter verschiedener Musikgruppen und Theatervereine bekannt, wie z.B. der Naturfreundemusikgruppe, einem Zitherverein und der Kapelle Flache, in der er mit seiner Frau Mathilde gemeinsam musizierte. Die Musik prägte sein ganzes Leben. Einem damaligen Modetrend folgend gründete er im Jahr 1933 ein Handharmonikaorchester. Er schrieb bis tief in die Nacht Noten und arrangierte aus den Originalpartituren großer Sinfonieorchester die Stücke für sein Orchester. Bis zum Kriegsausbruch unterrichtete er an der Musikhochschule Weimar im Fach diatonische Handharmonika. Bei einigen Besuchen in Trossingen lernte er die dortigen Lehrmethoden im Gruppen- und Einzelunterricht kennen, übernahm diese für seinen eigenen Unterricht und gestaltete seine Proberräume in der Heinrichstraße 4 in Erfurt mit viel Liebe entsprechend selbst um. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Mathilde Flache erteilte Robert zahlreichen Schülern bis zu seinem 73. Lebensjahr Gruppen- und Einzelunterricht für Akkordeon, diatonische Handharmonika und Klavier. Mit 80 Jahren gab Robert Flache im Jahr 1977 mit seinem Orchester das letzte Konzert auf der Erfurter IGA. Im gleichen Jahr verstarb er.

Die weitere Entwicklung unter Robert Flache

Besondere Höhepunkte späterer Konzerte war der Auftritt des Akkordeon-Duos Mathilde und Edith Flache. Sie wurden unter dem Namen "Die beiden Flaches" als Akkordeonvirtuosinnen bekannt und gewannen zahlreiche Wettbewerbe.

Auch besonders begabte Schüler gaben Soloeinlagen zu Konzerten, wie zum Beispiel Helga Heine, die mit ihrer diatonischen Handharmonika das Programm krönte.


Unter schwierigen Bedingungen wurde auch während des Krieges der Harmonikaunterricht mit der Assistentin Ruth Kämpf aufrechterhalten. "Die beiden Flaches" wurden zur Truppenbetreuung abkommandiert, und das Orchester fuhr zu einer Wehrmachtstournee vier Wochen in den Raum Westpreußen-Danzig. In Erfurt gab es zahlreiche Konzerte jeweils am Sonntagmorgen in den Lazaretten der Kriegsverwundeten.

In den ersten Nachkriegsjahren führte das Orchester wieder Benefizveranstaltungen für soziale Zwecke durch, und veranstaltete Konzerte für die aus der Gefangenschaft heimkehrenden Soldaten in den Heimkehrerlagern Petersberg und Kalkreiße.
Zur Pflege der Volksmusik durch den damaligen Rundfunksender Weimar wurden viele Auftritte und Bandaufnahmen getätigt. Es gab Sonntagskonzerte mit anderen Gruppen, wie dem Mandolinenorchester und dem Chor der Sängerfreunde Erfurt. Bei Volksmusikwettstreiten konnte das Orchester sogar an den Endausscheiden in Berlin teilnehmen. Zu den Musiktagen in Klingenthal wurden im Akkordeon-Wettstreit "Die beiden Flaches" und auch das Orchester mit Preisen und Urkunden ausgezeichnet.
In Verbindung mit der Musikhochschule Weimar gab es viele Konzerte mit Gesangssolisten, die sowohl der Pflege der Volksmusik als auch der klassischen Musik dienten.
Im November 1958 fand ein festliches Konzert anlässlich des 25-jährigen Bestehens im Stadtgarten zu Gunsten des Erfurter Tierparks statt. 1960 wurde ein Schülerkonzert veranstaltet, dessen Erlös wieder zur Unterstützung des Tierparks diente.

 


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